Whisky auf der Isle of Islay

Was wir vor unserer Reise auf die Isle of Islay nicht wussten: Urlauber fahren nicht vornehmlich zum Golfen1 nach Islay, sondern zum Besuch der Whisky Destillerien. Davon gibt es auf der Insel eine ganze Menge, nämlich zwölf.

Innenhof der Ardberg Destillerie

Diese können mit dem eigenen Auto, aber auch durch organisierte Bustouren besucht werden. Die meisten Destillerien verfügen über ein eigenes, meist sehr modernes Besucherzentrum mit Verkaufs- und Verkostungsmöglichkeit. Ist alles ein bisschen wie in der Südsteiermark, nur halt mit Regen und Whisky statt Sonne und Wein. Wer mit dem Auto unterwegs ist und nichts trinken kann, bekommt ein Probefläschchen für zuhause mit.

Laphroaig Destillerie mit Pier
Wie am Bild unschwer zu erkennen, gehört Laophraig dem japanischen Suntory Konzern

Die weit über die Insel hinaus bekannten Destillerien aus Islay heißen Ardbeg, Bowmore, Bunnahabhain, Caol Ila, Laphroaig oder Lagavulin. Sie gehören heute überwiegend zu internationalen Getränkekonzernen, wie der japanischen Beam-Suntory-Gruppe und vor allem dem aus der Guinness-Brauerei hervorgegangenen Diageo2-Konzern.3

Die Destillerien befinden sich fast alle an der Küste, was historische Gründe hat. Als die meisten dieser Brennereien im 18. und 19. Jahrhundert gegründet wurden, gab es auf Islay kaum befestigte Straßen. Schwere Rohstoffe wie massive Whiskyfässer konnten nur per Schiff transportiert werden. Jede Destillerie besaß daher einen eigenen Pier direkt vor der Brennerei.4

Anders als die anderen Inseln der Hebriden, deren Whiskys zur großen Gruppe der Highland-Whiskys zählen, bildet Islay eine eigene Whiskyregion.5 Das hat angeblich mit dem Geschmack des dortigen Whiskys zu tun. Das verbrannte Torf aus den lokalen Mooren Islays, das zum Trocknen von feuchter Gerste und Malz verwendet wird, ist wegen der rauhen Winde und der Gischt des Atlantiks extrem salz- und jodhaltig und gibt dem Whisky seinen eigentümlichen Geschmack. 6 Whiskykenner bezeichnen diese rauchigen Whiskys als „peated“.

Den einzigen nicht „peated“ Whisky auf Islay erzeugt die Destillerie Bunnahabhain in der Nähe von Port Askaig

Der rauchige Geschmack ist allerdings gewöhungsbedürftig. Wir fanden, der Whisky schmeckt ein wenig wie geselchter Speck. Wer diesen Geschmack nicht schätzt: Uns wurde von einem Golfer in Prestwick der Whisky von Bunnahabhain empfohlen, der als einziger der Insel nicht „peated“ erzeugt wird. Und da die Destillerie nicht weit vom Fährhafen Port Askaig entfernt lag, haben wir uns von dort vor der Abreise auch noch schnell einen mitgenommen.


  1. Islay hat nur einen Golfplatz, nämlich den in Machrie. ↩︎
  2. Diageo besitzt allein in Schottland 28 Whisky-Brennereien. ↩︎
  3. Eine der kleineren, jüngeren und unabhängigen Destillerien, die uns von Ortskundigen auch wegen des netten Besucherzentrums empfohlen wurde, ist Kilchoman. Leider war diese Destillerie für einen kurzen Ausflug vom Hotel zu weit entfernt. ↩︎
  4. Andere of angeführte Gründe wie die Auswirkungen des Meeresklimas auf den Geschmack des Whisky sind wohl mehr Legende. ↩︎
  5. Die Scotch Whisky Association (SWA) teilt Schottland gesetzlich in genau fünf offizielle Whisky-Regionen ein: Highlands, Lowlands, Speyside, Campbeltown – und eben Islay. ↩︎
  6. Entscheidend für die Zuordnung ist aber nicht dieser rauchige Geschmack, sondern ausschließlich die Herkunft von der Insel. ↩︎
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