Auf den Spuren des Heiligen Norbert in Prag

Zwischen den Jahren war ich mit unserem jährlichen Gast Joseph 48 Stunden in Prag. Da war es natürlich für mich als Namensträger Ehrensache, dort im Kloster Strahov am Grab des Hl. Norbert vorbeizuschauen.

Wer nach Prag kommt, wird ja mit vielen berühmten Heiligen konfrontiert. Dem heiligen Wenzel (Vaclav) zum Beispiel, dem Nationalheiligen von Böhmen, mit seiner schönen Grabkapelle im Veitsdom. Oder dem barocken Sarkophag des heiligen Johannes Nepomuk, des Brückenheiligen, ebenfalls im Veitsdom. Da ist es schon fast Verschwendung, dass auch der Hl. Norbert von Xanten sein Grab in Prag hat.

Dabei hat der Hl. Norbert von Xanten, der Gründer des Ordens der Prämonstratenser, der in Österreich über Klöster in Geras, Schlägl und Innsbruck-Wilten verfügt, mit Prag eigentlich nichts am Hut. Er stammt, wie sein Name sagt, aus der Gegend von Xanten, also vom Niederrhein. Gestorben ist er am 6. Juni 1134 als Erzbischof von Magdeburg, damals eine der größten und reichsten Städte in Europa, wo er zunächst auch im Prämonstratenserkloster Unser Lieben Frau begraben wurde.

Warum er 1627, noch vor der Zerstörung Magdeburgs 1631, auf Bestreben des Abts von Strahov ins dortige Prämonstratenserkloster überführt wurde, konnte ich nicht ganz klären. Irgendwie durfte es mit dem Dreißigjährigen Krieg zu tun haben und dass sich die katholischen Mönche im seit der Reformation protestantischen Magdeburg nicht mehr halten konnten. Geraubt wurde er von dort offenbar nicht. Seitdem ist er jedenfalls in Strahov bei Prag begraben.

Das Kloster Strahov liegt in Prag auf einer eigenen Anhöhe neben dem Hradschin. Wer von der Stadt auf die Prager Burg am Hradschin sieht, erblickt links davon das Kloster. Hier ein Blick von der Prager Kleinseite auf das Kloster:Und hier die andere Richtung, ein Blick vom Kloster auf den Hradschin (in 1o Minuten von dort zu Fuß zu erreichen) und die Stadt Prag:

Im Ergebnis war die Pilgerfahrt zum Grab des Hl. Norbert allerdings eine Enttäuschung. Das lag vor allem daran, dass wir das Grab gar nicht besichtigen konnten. Es liegt nämlich in einer Seitenkapelle der Klosterkirche Maria Himmelfahrt und die Klosterkirche ist nur kurz vor den Gottesdiensten, die täglich um 18.00 Uhr und Sonntags auch um 10.00 Uhr stattfinden, geöffnet. Der Hauptraum der Klosterkirche war zwar hinter einem Gitter zu sehen, aber das ist es dann auch schon; Fotografieren streng verboten.

Hier ein Blick auf die Klosterkirche Maria Himmelfahrt:

Der seitliche Zubau der Klosterkirche zur linken (vor dem Kirchturm) ist die Kapelle des Hl. Norbert, in deren Hochaltar sich sein Sarkophag befindet:

Auch wiederholte Nachfragen unter Hinweis auf die Namensgleichheit ließen niemanden dort erweichen, für mich eine Ausnahme zu machen und die Kirche kurz zu öffnen. Sie brachten mir lediglich ein Votivbild des Hl. Norbert mit Kalender für 2019 auf der Rückseite ein, das ich seither als besonderen Schatz in meiner Brieftasche mitführe.

Zu besichtigen und fotografieren waren nur die beiden barocken Bibliotheksräume des Klosters, allerdings nur durch eine Tür, betreten werden dürfen diese Räume außerhalb eigener Führungen nicht. Und für die Erlaubnis zum Fotografieren sind 50 Kronen extra zu bezahlen. Nicht, dass es viel Geld wäre, aber diese Geschäftstüchtigkeit der Ordensbrüder ist dann doch ärgerlich. So mussten wir uns letztlich für 50 Kronen mit ein paar Fotos dieser Bibliotheksräume begnügen:

Zumindest Außenaufnahmen der zahlreichen Statuen des Hl. Norbert konnten ohne extra Gebühr gemacht werden. Zu erkennen ist der Hl. Norbert auf Statuten dadurch, dass er immer mit einer Monstranz in der Hand abgebildet wird. Das dürfte damit zu tun haben, dass im Zentrum des Prämonstratenserordens die Eucharistiefeier steht.

Eine schon ganz schwarze Statue des Hl. Norbert steht übrigens auch in der Mitte der Karlsbrücke. Eine Renovierung würde hier nicht schaden.

Wer mehr über den Hl. Norbert, den einzigen deutschen Ordensgründer der katholischen Kirche, erfahren möchte, sei auf die hervorragende Wiki-Seite über ihn verwiesen.

Für mich ist diese Sache noch nicht erledigt. Ich werde nach Strachov wiederkommen und dann bereits vorab eine eigene Tour zur Grablege des Hl. Norbert in der Klosterkirche vereinbaren. Und dies im Anschluss mit dem dortigen Klosterbier feiern. Prag ist schließlich immer eine Reise wert. Wer mitkommen will, ist herzlich eingeladen.

 

 

 

 

 

 

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1 Comment

  1. Engelbert Bramerdorfer 2. Januar 2019 at 10:41

    sehr interessant

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