Stift Tepl und Marienbad

Auf dem Weg von Pilsen ins westböhmische Bäderdreieck liegt das Prämonstratenser-Stift Tepl (Premonstrátský Klášter Teplá). Der gleichnamige Fluss mündet in Karlsbad in die Eger (Ohře).

Die Besichtigung eines Klosters des Ordens meines Namenspatrons ist für mich Ehrensache. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es eines der bedeutendsten Klöster Westböhmens, doch das Jahrhundert war ihm nicht wohlgesonnen. Das kommunistische Regime enteignete den Orden 1948 und nutzte die Gebäude bis 1978 als Kaserne. Danach stand das Kloster leer und verfiel. 1990 kam es mit der Parkanlage wieder in den Besitz der Prämonstratenser. Die ehemals zugehörigen, enteigneten Ländereien und sonstiger Grundbesitz des Klosters wurden aber nicht zurückgegeben. 2011 wurde im Stift Tepl mit Filip Zdeněk Lobkowicz aus dem böhmischen Adelsgeschlecht der Lobkowitz wieder ein Abt eingesetzt.

Stift Tepl mit Eingang in Stiftskirche, das Gebäude links wartet noch auf seine Renovierung

Seit der Rückgabe an den Orden wurde bereits einiges renoviert, aber die vollständige Renovierung wird noch Jahrzehnte dauern. Derzeit wird am Hochaltar der Stiftskirche Mariä Verkündigung gearbeitet. Die vergoldete Figur des Hl. Augustinus auf der linken Seite ist schon fertig, aber der Hl. Norbert ist von der rechten Seite des Altars noch heruntergenommen und wartet vor den Besuchern ohne seine Monstranz auf neuen Glanz (Fotografieren in der Kirche und Stiftsbibliothek war leider verboten).

Man findet den heiligen Norbert aber nicht nur am Hochaltar, sondern auch am sehr schönen Portal der Kirche. Auch dort steht auf der linken Seite der Hl. Augustinus und rechts mit Monstranz der Hl. Norbert. Darüber der Stiftsgründer, der Sl. Hroznata, der in einer Seitenkapelle begraben liegt.

Portal der Stiftskirche, rechts mit Monstranz in der Hand der Hl. Norbert, Gründer des Prämonstrantenser-Ordens

Zum Stift Tepl gehörten einst auch die Kurbäder und viele Unterkunftshäuser in Marienbad, bevor die Nazis das Stift zwangen, sie zu verkaufen. Marienbad (heute: Mariánské Lázně), wo wir uns ein paar Tage einquartierten, liegt rd 15. Kilometer nordwestlich von Tepl. Die in einem Sumpfgebiet des Stiftes gelegenen heilenden Quellen waren den Chorherren des Stiftes schon im Mittelalter bekannt. Ein regulärer Kurbetrieb wurde aber erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf Initiative von Abt Karl Prokop Reitenberger erschlossen. 1818 wurde dieser Kurbetrieb schließlich unter dem Namen Marienbad (nach der Marienquelle) als Badeort anerkannt.

Als Johann Wolfgang von Goethe dort 1820 zum ersten Mal kurte, steckte der Kurbetrieb also noch in den Kinderschuhen, hatte aber lt. Wikipedia schon fast 40 repräsentative Gebäude und einen guten Ruf als Kurort. 1821 lernte der fast Zweiundsiebzigjährige dort die siebzehnjährige Ulrike von Levetzow kennen und machte ihr einen Heiratsantrag. Die wollte von dem alten Sack allerdings nichts wissen. Geblieben sind uns von Goethes wohl einzigem Korb die Marienbader Elegien.

Interessant in Marienbad ist nur der im oberen, nördlichen Teil der Stadt gelegene Kurbezirk mit den historischen Kolonnaden und Pavillons, mit denen die berühmteren Quellen (Kreuzquelle, Waldquelle, Rudolfsquelle, Karolinenquelle, Ambrosisusquelle, Ferdinandquelle) für die Trinkkuren der Kurgäste gefasst und überbaut wurden. Es gibt in Marienbad rd. 40 Heilquellen (Tschechisch „pramen“, findet sich auch in tschechischen Biernamen, zB Staropramen: Alte Quelle). Für den Heilbetrieb wird aber fast ausschließlich das Wasser aus den sechs berühmten Quellen genutzt. Einige Quellen haben auch Zuleitungen in Hotels, wie die Alexandraquelle in unseres (Falkensteiner).

Das Zentrum von Marienbad: Die große Kurkolonnade, im Hintergrund der Pavillon der Kreuzquelle

Den medizinischen Kurbetrieb gibt es in Marienbad auch heute noch, aber der gesellschaftliche Rahmen zum Kurbetrieb, der es im 19. Jahrhundert zu einem sommerlichen „It-Platz“ wie heute Mallorca oder Mykonos machte, und dazu führte, dass der englische König Eduard VII in den Nullerjahren des 20. Jahrhunderts fast jährlich in Marienbad kurte, ist unwiederbringlich vergangen. Dass die Stadt, die damals fast ausschließlich deutschsprachige Bewohner hatte, aus dem Zeitgeist fiel, gibt ihr heute einen etwas schäbigen, melancholischen Schick.

1904 kam Kaiser Franz Joseph nach Marienbad, um den englischen König Eduard VII bei seiner Kur zu besuchen

Geblieben ist Marienbad vom berühmten königlichen Kurgast ein Golfplatz mit „Royal Charter“. Der „Royal Golf Club Marienbad“ mit Klubhaus im englischen Cottage-Stil wurde 1905 gegründet und von König Eduard als erstem Gründungsmitglied feierlich eröffnet. Er ist damit der älteste Golfplatz Tschechiens. Leider ergab sich bei unserem kurzen Ausflug keine Zeit zum Spielen, aber so bleibt zumindest ein Grund für eine Rückkehr nach Marienbad.

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