Fra Angelico im Kloster San Marco

Die Kreuzigung Christi im Kreuzgang des früheren Klosters San Marco

Die meisten der Subskribenten (und -innen) dieses Blogs werden wissen, dass Tamara und ich über Allerheiligen wieder in Italien unterwegs waren. In zehn Tagen ging es von Florenz und Siena nach Perugia und Assisi und weiter nach Arezzo und Mantua. Zu kurz, um Zeit zu finden, in diesem Blog darüber regelmäßig zu informieren. Doch möchte ich als kleine Entschädigung und als Weihnachtsblog von unserem Besuch der Fra Angelico-Ausstellung in Florenz berichten.

Nicht über die ganz Ausstellung, die noch bis zum 26. Jänner 2026 an zwei Florentiner Standorten, dem Palazzo Strozzi und dem Museo Nazionale di San Marco, zu sehen ist, aber von den Fresken im ehemaligen Dominikanerkloster San Marco, in dem Fra Angelico nach 1436 längere Zeit lebte. Dort malte er das Konvent im Auftrag von Cosimo de’ Medici zur Andacht und inneren Einkehr der Mönche aus.

Die Fresken befinden sich vor allem im Kreuzgang des Klosters und im ersten Stock in den Schlafzellen der Mönche, wo sie nicht nur jetzt während der Ausstellung, sondern dauerhaft zu besichtigen sind.

Warum es dieser Ausstellung bedurfte und ich nie vorher dort war, wundert mich immer noch. Florenz ist nicht arm an großer Kunst, doch etwas in seiner Gesamtheit als Kunstwerk beeindruckenderes als dieser Freskenzyklus ist auch dort schwer zu finden – zumindest, wenn man sich für christliche Kunst interessiert.

Am Aufgang in das Dormitorium der Mönche im ersten Stock des Klosters befindet sich Fra Angelicos wohl bedeutendstes Fresko, die Verkündigung Mariens in einer der Gotik noch unbekannten perspektivischen Ansicht

Und ein christlicher Künstler war der als Guido di Pietro zwischen 1395 und 1399 in der Nähe von Florenz geborene Mönch Fra Angelico – Bruder Angelico – durch und durch. Nach seinem Eintritt in den Orden der Dominikaner bekam er den Ordensnamen Fra Giovanni, doch wird er in Italien, wahrscheinlich schon von Zeitgenossen, Beato Angelico, der „engelsgleiche Selige“ genannt.1

Und immer wieder der Hl. Dominik

„Was Angelico so engelsgleich macht (…), ist die Art und Weise, wie er absoluten Glauben mit persönlicher Wahrnehmung in Einklang brachte: wie er von ganzem Herzen an etwas glauben und es dann manifestieren konnte.“2

Jesus predigt vor den Jüngern

Und dies so sehr, dass der große Kunsthistoriker John Ruskin ihn mehr als inspirierten Heiligen, denn als Künstler sah. Malen als Akt religiöser Hingabe, denn künstlerischem Ausdruckswillen. Ähnlich der US-amerikanische Maler Mark Rothko, der nach einer Tour durch Europas Museen Anfang der 1950er Jahre meinte, dass ihm nur Fra Angelicos Fresken im Kloster San Marco eine über die Darstellung hinausgehende tiefe emotionale und spirituelle Erfahrung vermittelten.

Tamara vor einer Mönchszelle im Dormitorium des Konvents

So gehen wir als Besucher im Konvent von Mönchszelle zu Mönchszelle und betrachten mit Staunen und Bewunderung die von Fra Angelico und seinen Mitarbeitern und Schülern gemalten biblischen Bilder der Evangelien, die vor der Umwandlung in ein Museum Mitte des 19. Jahrhunderts für die Öffentlichkeit nicht zugänglich waren. Jedes Fresko gemalt von einem Künstler, der mit christlicher Hingabe noch der religiösen Kunst des Mittelalters und der Gotik verbunden ist und doch bereits die ankommende Zeit der Renaissance mit ihrem neuen perspektivischen Blick sieht.

Wir wünschen euch allen Frohe Weihnachten 2025.


  1. Offiziell seliggesprochen wurde Fra Angelico erst 1982 durch Papst Johannes Paul II. Er gilt als Schutzpatron christlicher Künstler. ↩︎
  2. Jason Farago, Art Review, Fra Angelico and the Miracle of Faith Made Visible, NYT 7. Oktober 2025. ↩︎
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