
Einige meiner geschätzten Leserinnen und Leser wissen, dass ich seit meiner Studienzeit in London einen Faible für britische Postkästen habe. Vor allem für die alten aus vikorianischer Zeit, erkennbar an dem königlichen Emblem „V R“ für „Victoria Regina“.
Daher kann ich nie an einem roten Postkasten vorbeigehen ohne nachzusehen unter welchem britischen Monarchen er aufgestellt wurde.
Auch Tamara hält inzwischen beim Autofahren aufmerksam Ausschau und hält zum Fotografieren an, wenn ein roter Postkasten mit dem „V R“-Emblem gesichtet wurde.

Ein „E II R“ für Königin Elisabeth und ein „G R“ für ihren Großvater Georg V.
Joseph McCombe sendet mir dankenswerter Weise immer ein Foto, wenn er (oder seine Freunde) einen viktorianischen Postkasten finden. Und auch andere meiner Freunde beteiligen sich an der Suche und helfen mir meinen eigens dafür eingerichteten Blog zu erweitern. Dafür sei ihnen hier noch einmal allen herzlich gedankt.
Diesmal habe ich im südwestschottischen Ayrshire sogar einen ganz seltenen Postkasten aus der nur einjährigen Regierungszeit von König Edward VIII., dem nachmaligen Duke of Windsor, gefunden (erst mein zweiter E VIII R).

Briefkasten in Schottland verfügen seit der Regierungszeit von Königin Elisabeth übrigens über keine königlichen Initialien mehr, sondern sind nur mit der schottischen Krone versehen. Das hat damit zu tun, dass Elisabeth II. als Königin von Schottland nicht die zweite, sondern eigentlich die erste gewesen wäre – eine heikle politische Sache, die man umgehen wollte.1
Leider hat der Bedarf für Postkästen in unserer digitalen Zeit stark abgenommen. Viele Postkasten wurden inzwischen auch aufgelassen (aber nicht entfernt).

Für den neuen König Charles wird es daher nicht mehr viele neue Postkästen geben (einen neuen hat man aber jetzt mit seinem Emblem in der Antarktis errichtet).
An dem Rückgang der physischen Post hat meiner Meinung nach aber auch die Royal Mail erheblichen Anteil, in dem sie der Bevölkerung für sie unrentable Postgewohnheiten wie Postkartenschreiben durch absurd hohe Porti austreiben will.
Anders kann ich mir nicht erklären, dass das Porto für eine Postkarte nach Österreich (und überall sonst außerhalb des Königreiches) inzwischen 3,60 Pfund, also umgerechnet 4,20 Euro kostet!
Hier zum Schluss die königlichen Emblems auf britischen Postkästen im Überblick:

- Nach dem Tod Georgs VI. 1952 wurde seine Tochter als Elizabeth II. zur Königin proklamiert. Dagegen klagten schottischen Nationalisten. Ihr Argument: Da es nie eine Elisabeth I. von Schottland gegeben habe, sei die Bezeichnung „Elisabeth II.“ in Schottland historisch falsch und verstoße gegen den Act of Union 1707 (MacCormick v Lord Advocate, 1953 SC 396 (Court of Session, Schottland)). Der Fall wurde politisch gelöst: Britische Monarchen tragen künftig (nur) den höheren der englischen oder schottischen Ordnungszahl. Elisabeth war daher auch für Schottland Elisabeth II. König Charles ist ohnehin der III. in England und Schottland. Ein künftiger König James wäre aber zB James VIII. obwohl es als König von England mit diesem Namen bisher nur zwei, in Schottland hingegen sieben gab. ↩︎