Nach längerer Zeit sind Tamara und Norbert wieder unterwegs und zwar in Ohrid in Nordmazedonien. Wer sich fragt, wo das ist: das war mal die südlichste Provinz Jugoslawiens und ist seit dessen Zerfall ein eigenständiger Staat.
Ohrid, das slawische Jerusalem, liegt im Südosten des Landes am See gleichen Namens. Der südwestliche Teil des Seeufers gehört schon zu Albanien.
Die AUA fliegt im Sommer neuerdings Ohrid direkt an. Der Flughafen – nach dem Hl. Paulus benannt, der hier auf der Via Egnatia nach Rom vorbeikam – ist nicht groß, hat nicht mal eine Ankunftshalle.
In die Stadt kommt man nur mit dem Taxi. Den Preis klärt man mit dem Taxifahrer im voraus. Unser Hotel – hier eines der gehobeneren, bei uns wäre es eher ein passables Drei-Stern – liegt in der Mitte des Ostufers des Sees. Von Touristen wollen sie für solche halbstündige Fahrten 30 EUR (Verhandeln wäre aber wohl möglich).
So auch für die anschließende Fahrt vom Hotel zum Kloster des Heiligen Naum, am Südufer des Sees, einen Steinwurf von der Grenze zu Albanien entfernt. Die Fahrt ging von der Uferstraße in die Berge hinein, bevor wir vorbei bei Kirschbaumplantagen wieder den See am Südufer erreichten.



Der Hl. Naum, der in der Klosterkirche begraben liegt, hat morgen am 3. Juli (nach gregorianischem Kalender) seinen Festtag, daher war bereits heute mehr los als sonst. Die Pilger kommen angeblich die ganze Nacht über in die Klosterkirche.
Der Hl. Naum gehört mit dem Hl. Kliment und dem Hl. Gorazd zu den drei großen Schülern der Hl. Kyrill und Method, die nach ihrer Vertreibung aus Mähren im ersten Bulgarischen Reich in Preslav und Ohrid im 9. und 10. Jhd. die kyrillische Schrift und das Kirchenslawische schufen (bis heute Bulgariens größter Stolz).
Das Gebäude der Klosterkirche stammt noch aus der Zeit des Hl. Naum im 9. Jhd. Die Fresken im Inneren mit dem typischen Bilderzyklus solcher orthodoxen Kreuzkuppelkirchen wirken als wären sie byzantinisch aus der paläologischen Renaissance des 13. – 14. Jhd. Sie sind aber aufgrund zahlreicher Brände deutlich jünger und wurden in diesem alten Stil erst 1806 fertiggestellt.
